VN4.1 Wärmeschutz und Fassadensysteme im Nichtwohnungsbau
2. Einflussfaktoren Gebäudehülle NWG
Nachdem durch die Gebäudeform bzw. Architektur (z.B. Kompaktheit, Ausrichtung, Zonierung) bereits relevante passive Maßnahmen im Energiekonzept festgelegt werden, ist der nächste Schritt die Nutzenergiebedarfe für Heizen und Kühlen durch Maßnahmen an der Gebäudehülle zu reduzieren.
Betrachtet man bei Nichtwohngebäuden die typischen Energiebedarfsanteile, wird klar, dass der Heizwärmbedarf oft eine untergeordnete Rolle spielt und stattdessen oft Strombedarfe für Beleuchtung, Lüftung oder Kühlung eine relevante Rolle spielen. Interne Wärmequellen aus Geräten und Personen übersteigen nicht selten die Transmissionswärmesenken aus der Gebäudehülle (z.B. bei Schul-/Bürogebäuden), so dass der Kühlkältebedarf ggü. dem Heizwärmebedarf eine übergeordnete Rolle spielt. Hochgedämmte Bauweisen (wie z.B. der Passivhaus-Standard) sind daher im Nichtwohngebäude nicht immer sinnvoll umzusetzen. Ein hochgedämmter Hüllstandard, über gesetzliche Anforderungen hinaus, sollte daher auch aus wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht gut abgewogen werden.
Eine gut bzw. moderat gedämmte Gebäudehülle hilft im Vergleich zu einer schlecht oder gar ungedämmten Gebäudehülle jedoch auch, den Kühlkältebedarf zu senken, da im Sommer weniger Transmissionswärmequellen von außen ins Gebäude eindringen können (solange die Fenster geschlossen sind). Priorität sollte jedoch bei Nichtwohngebäuden vor allem auch auf den passiven Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz liegen (z.B. Sonnenschutz, Speichermassen, Lüftungskonzept).