2. Einflussfaktoren Gebäudehülle NWG

2.3. Besondere Anforderungen im Nichtwohnungsbau

Gebäudehüllen im Nichtwohnungsbau unterscheiden sich meist funktional und optisch von den konventionellen Fassaden im Wohnungsbau. Je nach Nutzungsart ist die Hüllfläche häufig technisch aufwendiger (Glas- und Stahlanteile) und besteht aus sich wiederholenden Fassadenelementen. Der eigenständige konstruktive Aufbau wird durch die höheren Anforderungen an Statik, Brandschutz, Schallschutz, Widerstandsfähigkeit, Vandalismus, Wartung, Umnutzbarkeit und natürliche Belichtung noch unterstützt.

Statik

Durch die größeren Ausmaße im Nichtwohnungsbau sind die statischen Ansprüche an die Gebäudekonstruktion erheblich höher als im Wohnungsbau. Geschossdecken in Leichtbauausführung werden durch die Spannweiten unverhältnismäßig teuer, daher werden sie meist massiv ausgeführt. Die Optimierung des Materialeinsatzes ist hier ökobilanziell von Bedeutung (z.B. Einsatz Bewehrungsstahl, Holz-Beton-Verbunddecken, etc.). Konstruktive Materialien mit einer niedrigen Wärmeleitfähigkeit (z.B. Porenbetonsteine) kommen seltener zum Einsatz. Häufiger umgesetzt werden dagegen Stahlbeton- oder Stahlbetonskelettbauten. Statisch notwendige Durchdringungen und Anschlusspunkte bekommen eine größere Bedeutung und müssen daher auch oft energetisch bewertet werden.

Brandschutz

Bei Nichtwohngebäuden sind die Anforderungen an den Brandschutz aufgrund der Größe der Gebäude und der Belegungsdichte erhöht und daher besonders zu beachten (z.B. Beachten von Brandabschnitten, Einsatz von Brandriegeln im WDVS). Betroffene Gebäudeteile und Leistungen von Gewerken sollten bereits in der Ausschreibung  erwähnt werden. Bei Nichtbeachtung der Ausschreibungsanforderungen kann dies zu großen Nachtragspositionen führen, die die Kosten eines Gebäudes erheblich in die Höhe schnellen lassen.






Schallschutz

An Schallüberträge aus Gebäuden heraus (z.B. Turnhallen) oder in Gebäude herein (z.B. Bürogebäude am Flughafen/Bahnhof) werden erhöhte Anforderungen gestellt. Durch einen mehrschichtigen Aufbau, z.B. eine Vorhangfassade, kann der Schallübertrag verringert werden. Im Bereich von Turnhallen sollte immer eine Prallwand und ein schallhemmender Fußbodenaufbau (Sportboden) eingeplant werden.

Vandalismus-Schutz

Der besonders stoßgefährdete Bereich im Erdgeschoss einer Fassade sollte speziell geschützt werden, um die Langlebigkeit des Bauteils gewährleisten zu können. Ein Wärmedämm-Verbundsystem kann durch eine Panzergewebearmierung in der Putzschicht oder spezielle Sockel- oder Vandalismusschutzplatten geschützt werden.
Der Wärmebrückenzuschlag durch die Befestigung muss im U-Wert natürlich berücksichtigt werden. Alternativ wird im Nichtwohnungsbau aus Gründen der Langlebigkeit meist auf andere Fassadenkonstruktionen wie vorgehängte, hinterlüftete Fassaden zurückgegriffen. Zusätzlicher Vorteil ist die Möglichkeit des Austauschs einzelner beschädigter Fassadenbekleidungselemente, ohne dass die komplette Fassade in Mitleidenschaft gezogen wird.