3. Bauteiltypen und Fassadensysteme im NWG

3.2. Vorhang-/Pfosten-Riegel-Fassaden

Da bei Nichtwohnungsbauten meist größere Verglasungsflächen als bei Wohnungsbauten ausgeführt werden, werden statt Standardfenstern oft Pfosten-Riegel-Fassaden eingesetzt. Je nach Öffnungsflächenanteil kann eine Pfosten-Riegel-Fassade durch ihre schmaleren Profile (50 bis 70 mm) vorteilhafter für die solaren Wärmegewinne sein. Beim Einbau vieler Öffnungsflügel kann eine Pfosten-Riegel-Fassade dagegen eher negativ zu bewerten sein, da die Verglasungsanteile dann durch die große Rahmenbreite aus Pfosten/Riegel, Rahmen und Flügel relativ klein werden.

Gerade bei großflächigen Glasfassaden werden die Anforderungen an die Verglasungen stark erhöht. Z.B. sind hier Bruchsicherheit und Personenschutz oft ein wichtiges Thema. Daher kommen vermehrt Sonderverglasungen (z.B. ESG, VSG oder TSG) zum Einsatz.





Im Vergleich zu einem klassischen Fenster in einer Lochfassade sind daher bei der Ucw-Berechnung zusätzlich weitere energetische Kennwerte (z.B. Um/Ut Pfosten/Riegel, Ψm/t Glasrand an Pfosten/Riegel, Ψm,f/Ψt,f Anschluss Pfosten-/Riegel an Fensterrahmen) relevant.



Die DIN EN ISO 12631 (geltende Berechnungsmethode gemäß DIN EN 13830) gibt zwei Berechnungsmethoden für Vorhangfassaden vor:
  • Vereinfachtes Verfahren (Abs. 7), Berechnung für Gesamtfassade inklusive Fugen (z.B. verklebte Fassaden) und Füllungen (1D-Wärmestrom eines Fassadenbauteils), für alle Vorhangfassaden anwendbar.
  • Verfahren mit Beurteilung einzelner Komponenten (Abs. 8), Berechnung eines repräsentativen Elements, unter Berücksichtigung von Korrekturfaktoren (z.B. Schrauben) auch Berechnung der Gesamtfassade möglich, eignet sich nicht für geklebte Glaskonstruktionen und hinterlüftete Fassaden.
Da der U-Wert des „vereinfachten Verfahrens“ mittels einer 2D-/3D-FEM-Analysesoftare (z.B. Wärmebrückensoftware) berechnet wird, wird für die "händische" Berechnung bzw. die Berechnung in einer Bilanzierungssoftware meist das zweite Verfahren gewählt:
Berechnung UCW (Einzelelement) gemäß DIN EN ISO 12631:2018-01

UCW = (∑ Ag • Ug + ∑ Ap • Up + ∑ Af • Uf + ∑ Am • Um + ∑ At • Ut + ∑ lf,g • Ψf,g + ∑ lm,g • Ψm,g + ∑ lt,g • Ψt,g + ∑ lp • Ψp + ∑ lm,f • Ψm,f + ∑ lt,f • Ψt,f ) / ACW

Ug, Up → U-Wert der Verglasung und des Paneels
Uf, Um, Ut → U-Wert des Rahmens, des Pfostens und des Riegels
Ψf,g, Ψm,g, Ψt,g, Ψp → längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient für Rahmen, Pfosten und Riegel an das Glas bzw. des Paneels
Ψm,f, Ψt,f → längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient für Rahmen-Pfosten und Rahmen-Riegel

Anhand verschiedener Einzelelemente kann (wie bei unterschiedlichen Fenstertypen) ein flächengewichteter Mittelwert Ucw,tot ermittelt werden, der dann für die gesamte Vorhangfassade am Gebäude angesetzt werden kann.

Hinweis: Wird der Ut/Um-Wert der Pfoste/Riegels nach DIN EN ISO 10077-216 (alternativ nach DIN EN 12412-217) ermittelt, ist für die Metall-Schrauben ein Zuschlag ∆U von z.B. 0,3 W/m²K (bei max. 6 mm Durchmesser und 20 - 30 cm Abstand) oder nach Berechnung im Anhang E der Norm zu berücksichtigen.



Im eingebauten Zustand ist eine Pfosten-Riegel-Fassade oft schlechter zu bewerten als ein Standard-Fenster, da die Randprofile kaum überdämmt werden können.



Kleines Bild

Abb. 11 Zertifizierte Pfosten-Riegel-Fassade, Gutmann Lara GF 50 - PH, Quelle: Passivhaus Dienstleistung GmbH, Lehrgang zum zertifizierten Passivhaus-Planer, PHPP II, 2011
Abb. 12 Structural Glazing in einer Schüco SFC 85 Pfosten-Riegel-Fassade, Quelle: http://www.schueco.com/web/be-de/architekten/fassaden/produkte/fassaden/aluminium/structural_glazing_fassaden/schueco_sfc_85



Eine fast monolithe Optik mit schmalen Fugen entsteht bei der Verwendung von Structural Glazing (s. vorangegangene Abb. rechts). Hierbei wird durch Klebebefestigungen auf die sonst sichtbare Pressleiste verzichtet. Dies kann auch bei der Verwendung von Photovoltaik von Vorteil sein, da die Fläche dadurch maximiert werden kann und die Verschattung durch die Pressleisten entfällt.

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16 DIN EN ISO 10077-2:2025-06

17 DIN EN 12412-2:2003-11