
VN4.1 Wärmeschutz und Fassadensysteme im Nichtwohnungsbau
Abschlussbedingungen
3. Bauteiltypen und Fassadensysteme im NWG
3.2. Vorhang-/Pfosten-Riegel-Fassaden
Da bei Nichtwohnungsbauten meist größere Verglasungsflächen als bei Wohnungsbauten ausgeführt werden, werden statt Standardfenstern oft Pfosten-Riegel-Fassaden eingesetzt. Je nach Öffnungsflächenanteil kann eine Pfosten-Riegel-Fassade durch ihre schmaleren Profile (50 bis 70 mm) vorteilhafter für die solaren Wärmegewinne sein. Beim Einbau vieler Öffnungsflügel kann eine Pfosten-Riegel-Fassade dagegen eher negativ zu bewerten sein, da die Verglasungsanteile dann durch die große Rahmenbreite aus Pfosten/Riegel, Rahmen und Flügel relativ klein werden.
Gerade bei großflächigen Glasfassaden werden die Anforderungen an die Verglasungen stark erhöht. Z.B. sind hier Bruchsicherheit und Personenschutz oft ein wichtiges Thema. Daher kommen vermehrt Sonderverglasungen (z.B. ESG, VSG oder TSG) zum Einsatz.
Kritische Verglasungsflächen, die mit dem Fensterbauer und dem Statiker abgestimmt werden sollten, sind z.B.:
- Verglasungsflächen in Sporthallen
- Balkongeländer und Fensterbrüstungsbereiche
- Überkopfverglasungen Zweischalige Fassadensysteme / Doppelfassaden
Im Vergleich zu einem klassischen Fenster in einer Lochfassade sind daher bei der Ucw-Berechnung zusätzlich weitere energetische Kennwerte (z.B. Um/Ut Pfosten/Riegel, Ψm/t Glasrand an Pfosten/Riegel, Ψm,f/Ψt,f Anschluss Pfosten-/Riegel an Fensterrahmen) relevant.
- Vereinfachtes Verfahren (Abs. 7), Berechnung für Gesamtfassade inklusive Fugen (z.B. verklebte Fassaden) und Füllungen (1D-Wärmestrom eines Fassadenbauteils), für alle Vorhangfassaden anwendbar.
- Verfahren mit Beurteilung einzelner Komponenten (Abs. 8), Berechnung eines repräsentativen Elements, unter Berücksichtigung von Korrekturfaktoren (z.B. Schrauben) auch Berechnung der Gesamtfassade möglich, eignet sich nicht für geklebte Glaskonstruktionen und hinterlüftete Fassaden.
Berechnung UCW (Einzelelement) gemäß DIN EN ISO 12631:2018-01
UCW = (∑ Ag • Ug + ∑ Ap • Up + ∑ Af • Uf + ∑ Am • Um + ∑ At • Ut + ∑ lf,g • Ψf,g + ∑ lm,g • Ψm,g + ∑ lt,g • Ψt,g + ∑ lp • Ψp + ∑ lm,f • Ψm,f + ∑ lt,f • Ψt,f ) / ACW
| Ug, Up | → U-Wert der Verglasung und des Paneels |
| Uf, Um, Ut | → U-Wert des Rahmens, des Pfostens und des Riegels |
| Ψf,g, Ψm,g, Ψt,g, Ψp | → längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient für Rahmen, Pfosten und Riegel an das Glas bzw. des Paneels |
| Ψm,f, Ψt,f | → längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient für Rahmen-Pfosten und Rahmen-Riegel |
Anhand verschiedener Einzelelemente kann (wie bei unterschiedlichen Fenstertypen) ein flächengewichteter Mittelwert Ucw,tot ermittelt werden, der dann für die gesamte Vorhangfassade am Gebäude angesetzt werden kann.
Hinweis: Wird der Ut/Um-Wert der Pfoste/Riegels nach DIN EN ISO 10077-216 (alternativ nach DIN EN 12412-217) ermittelt, ist für die Metall-Schrauben ein Zuschlag ∆U von z.B. 0,3 W/m²K (bei max. 6 mm Durchmesser und 20 - 30 cm Abstand) oder nach Berechnung im Anhang E der Norm zu berücksichtigen.
Im eingebauten Zustand ist eine Pfosten-Riegel-Fassade oft schlechter zu bewerten als ein Standard-Fenster, da die Randprofile kaum überdämmt werden können.
Abb. 11 Zertifizierte Pfosten-Riegel-Fassade, Gutmann Lara GF 50 - PH, Quelle: Passivhaus Dienstleistung GmbH, Lehrgang zum zertifizierten Passivhaus-Planer, PHPP II, 2011
Abb. 12 Structural Glazing in einer Schüco SFC 85 Pfosten-Riegel-Fassade, Quelle: http://www.schueco.com/web/be-de/architekten/fassaden/produkte/fassaden/aluminium/structural_glazing_fassaden/schueco_sfc_85
Eine fast monolithe Optik mit schmalen Fugen entsteht bei der Verwendung von Structural Glazing (s. vorangegangene Abb. rechts). Hierbei wird durch Klebebefestigungen auf die sonst sichtbare Pressleiste verzichtet. Dies kann auch bei der Verwendung von Photovoltaik von Vorteil sein, da die Fläche dadurch maximiert werden kann und die Verschattung durch die Pressleisten entfällt.
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16 DIN EN ISO 10077-2:2025-06
17 DIN EN 12412-2:2003-11