4. Anwendungen am Praxisbeispiel

4.2. U-Wert-Berechnung einer VHF

Die Unterkonstruktion einer vorgehängten, hinterlüfteten Fassade (VHF) kann gemäß DIN EN ISO 6946 als Bauteilschicht unberücksichtigt bleiben, sofern eine Gesamtkorrektur des U-Werts unter 3 % fiele. Um diese Regel zu überprüfen, muss zunächst der U-Wert ohne die Unterkonstruktion berechnet werden. Im Folgenden sind der Bauteilaufbau sowie die Berechnung aus dem BKI-Energieplaner dargestellt:





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Abb. 15 Bauteilaufbau Wa-01 Außenwand Betonkern, Quelle: ina Planungsgesellschaft mbH (Ausgabe BKI Energieplaner 2025



Tabelle 6 Bauteilberechnung: Bauteilaufbau Wa-01 Außenwand Betonkern (RT-Wert), Quelle: ina Planungsgesellschaft mbH (Ausgabe BKI Energieplaner 2025)

Schicht Nr.: Baustoff Dicke
[cm]
Λ
[W/mK]
R [m²K/W]
  Wärmeübergang innen Rsi     0,130
1 Putze und Mörtel aus Gips, Sand (1600 kg/m³) 1,00 0,80 0,013
2 Beton armiert mit 2% Stahl (2400 kg/m³) 18,00 2,5 0,072
3 Holzfaserdämmstoff (WF) 040 nach DIN EN 1317121 Tragprofil 12,00 0,040 3,0
4 Unterspannbahn, diffusionsoffen (sd,e ≤ 0,1) 0,02    
5 Luftschicht (offen, ohne Dämmwirkung) Tragprofil 4,00    
6 Fassadenbekleidungen 2,00    
  Wärmeübergang außen Rse     0,130
RT = ∑(di/λi) = 3,345



Der U0-Wert des ungestörten Bauteils läge daher bei 1/RT = 1/3,345 m²K/W = 0,299 W/m²K. Daher müssten Wärmebrückenzuschläge bereits ab ΔU = 0,009 W/m²K (< 3 %) berücksichtigt werden. Je besser der U-Wert, desto kleiner wird der Grenzwert (z.B. Passivhaus U = 0,15 W/m²K → ΔU = max. 0,0045 W/m²K) und schneller wird eine Berücksichtigung in der Bilanz notwendig. Für das Effizienzgebäude 40 würden bspw. statt der 12 cm Holzfaserdämmung 22 cm umgesetzt (U = 0,171 W/m²K → ΔU = 0,0051 W/m²K).

Die genaue Berücksichtigung kann jedoch erst durch die Berechnung des ΔU anhand der Anordnung / Anzahl der Fassadenanker und der vorhandenen punktuellen Wärmebrücke Х [W/K] erfolgen. Der Wärmebrückenkoeffizient Х kann durch eine detaillierte Wärmebrückenberechnung erfolgen. Alternativ geben viele Hersteller von Unterkonstruktionen auch Werte in Abhängigkeit der Dämmstärke und der eingesetzten Wärmeleitfähigkeit in ihren technischen Datenblättern an (z.B. Fa. Halfen für Natursteinfassaden). Exemplarisch soll hier zunächst für das Praxisbeispiel ein Х1 = 0,040 W/mK für eine klassische Aluminium-Unterkonstruktion und ein Х2 = 0,020 W/mK für eine optimierte Unterkonstruktion durch Thermostopp-Unterlagen angenommen werden. Auf die gesamte Fassadenfläche von 137 m² sollen 260 Fassadenanker befestigt werden (~ 1,9 Anker pro m²).





Um auf der sicheren Seite zu sein, wurde für beide Wandaufbauten des Praxisbeispiels (Holz-/Betonkonstruktion) ein Wärmebrückenzuschlag von ΔU = 0,050 W/m²K angenommen. Eine Optimierung durch eine thermische Trennung (z.B. Thermostopp) sollte in jedem Fall empfohlen werden. Der Gesamt-U-Wert des Bauteils liegt damit bei 0,349 W/m²K. Das Referenzgebäude nach GEG, Anlage 2 rechnet mit einem U-Wert für die Außenwände von 0,28 W/m²K. Der Hauptwandaufbau liegt jedoch bei U = 0,260 W/m²K und somit liegt das Gebäude in Bezug auf die Außenwand nur etwas schlechter als die Referenzgebäudevorgaben. Der Anforderungswert im GEG-Nachweis ist jedoch nicht HT` (wie beim Wohngebäude), sondern der mittlere U-Wert gemäß GEG, Anl. 2, dessen Anforderungen relativ gering anzusetzen sind (Ūopak = max. 0,28 W/m²K). Dieser wird mit Ūopak,ist = 0,22 W/m²K aktuell unterschritten.

Als Einschätzungswert kann HT` jedoch immer gut zusätzlich hinzugezogen werden. Da HT` jedoch (auch durch den Ansatz eines pauschalen Wärmebrückenzuschlags von ∆U = 0,10 W/m²K auf die gesamte Gebäudehülle - kein Wärmebrückennachweis erforderlich) insgesamt ca. 15% schlechter als das Referenzgebäude ausfällt, muss dies im Folgenden durch die Anlagentechnik primärenergetisch wieder kompensiert werden



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21 DIN EN 13171:2015-04